Rund 80 Firmen stellen dieses Antibiotikum her und bieten es zu einem Bruchteil der Kosten an. In mehreren afrikanischen Ländern wie Kenia oder Südafrika steht das Bayer-Medikament Ciprobay jedoch unter Patentschutz. Senator Schumer und der kanadische Regierung sollte es bei ihrem leichtsinnigen Umgang mit dem Patentschutz nicht allein darum gehen, was gut für Amerikaner ist. Die Wiedergabe wurde unterbrochen. Er gebraucht dann so schöne Worte wie Symbol des Triumphes über den Terrorismus.
Mit dem Antibiotikum werden hier Infektionen des Nervensystems kuriert, die sonst tödlich verlaufen. Das ist nicht fair, das ist nur billig. Wer seine Forschung und Entwicklung nicht für eine gewisse Zeit über hohe Preise zurückholen kann, verliert die Kraft, immer Neues zu versuchen. Einziges Trostpflaster: Die Pharmakonzerne gaben ihre patentierten Medikamente an einige der Sterbenden kostenlos ab. Jetzt hat Schumer wieder einen symbolträchtigen Vorschlag gemacht.
Wer aber wird dann der Menschheit erklären, warum eine Massenpanik in Nordamerika mehr gilt als das Massensterben in Afrika? Wenn die Amerikaner Milzbrand-Medikamente wollen, dann kriegen sie sie auch. Die Regierung nimmt sich einfach das Recht heraus, im Bedarfsfall billigere Arzneimittel einzuführen. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Der Patentschutz, der Aids-Mediziner in Afrika zur Verzweiflung treibt, ist in Kanada und den USA ganz leicht auszuhebeln. Denn der Wirkstoff Ciprofloxacin, den die Nordamerikaner nun tonnenweise bunkern, wird auch für die Behandlung von Aids-Patienten gebraucht. Wie man an Kanada sieht, ist das schnell geschehen. Es genüge eine Lockerung des Patentschutzes für das Medikament Ciprobay.
Und für westlichen Industrienationen gibt es noch einen anderen Grund, von solch symbolträchtigen Aktionen die Finger zu lassen: Der Schutz intellektuellen Eigentums ist der Lebensnerv hochentwickelter Gesellschaften. Damit können nun nachgemachte Medikamente - so genannte Generika - mit dem Wirkstoff Ciprofloxacin nach Kanada und vielleicht auch bald in die USA importiert werden.
Charles Schumer, Senator von New York, hat fast jeden Tag einen neuen Vorschlag, wie seine Stadt der Asche entsteigen könnte. Auf afrikanischem Boden aber setzen sich die Pharmakonzerne ihren Patentschutz mit Unterstützung der westlichen Welt gegen Regierungen durch, deren Bevölkerung zu rund 20 Prozent mit Aids infiziert ist.
Als Südafrika auf eigene Faust den Import indischer Generika zulassen wollte, wurde sie von 39 Pharmaunternehmen verklagt - Prozessausgang ungewiss. So geschehen bei dem Beruhigungsmittel Miltown, das die US-Armee in den sechziger Jahren haben wollte. Nach Angaben der New York Times kostet eine Ciprobay-Therapie im Monat rund Dollar, die Behandlung mit einem Ersatz-Medikament aus Cipro 1000mg online dagegen nur zehn Dollar.
Die importierten Billigpillen sind ein Symbol des Triumphes von reich über arm, wie sie bitterer nicht sein könnten. Dazu muss noch nicht einmal ein Gericht bemüht werden. Weil es hier nur unzureichenden Patentschutz gibt, haben sich Pharmaunternehmen aufs Nachmachen verlegt. Ein gutes Beispiel dafür ist Indien, von wo aus die rettenden Cipro-Pillen für die USA kommen sollen.
Dazu müsse man gar nicht warten, bis Bayer die Pillenschleuder richtig angeworfen hat.
Ciprobay in den USA Cipro war schon vor billigste ciprofloxacin Anschlägen in den USA einer der Verkaufsschlager unter den Bayer-Produkten. Mit 1,8 Milliarden Euro bescherte das Medikament dem Konzern im vergangenen Jahr den höchtsten Umsatz im Geschäftsbereich Pharma, gefolgt von dem Bluthochdruckmittel Adalat 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Ciprobay wird normalerweise bei bakteriellen Infektionen der Atemwege, der Harnwege oder der Haut eingesetzt.